Dienstag, 28. Juni 2005

Statt Gnadenbrot bei Coesfeld zum Schlächter oder zum Pferdehändler

Die Staatsanwaltschaft Münster erhebt Anklage gegen eine 29jährige ehemalige Tierarzthelferin mit 2 Kindern, die jetzt von Sozialhilfe lebt und ein gutes Geschäft mit "Beistellpferden" gemacht hat, denen sie angeblich ein Gnadenbrot gewähren wollte. Etwa 20 Pferde verschwanden im Laufe der Zeit. Anscheinend weiter verkauft - jedenfalls waren sie verschwunden.

Bruno Frydrychowicz aus Billerbeck hat seine eigene Sicht der Story, berichtete die taz im März 2005. Frydrychowicz ist der Rechtsanwalt der Beklagten in den vorangegangenen Zivilprozessen. Seine junge Mandantin sei Opfer einer "irrsinnigen Hetzkampagne". Das in Medienberichten gezeichnete Bild der skrupellosen Pferdeverkäuferin sei falsch. "Es geht hier in Wirklichkeit um Armut in Deutschland", sagt Frydrychowicz. Die zweifache Mutter habe private Probleme gehabt. "Ihr Lebenspartner hat sie wegen eines Go-Go-Girls verlassen." Die gelernte Tierarzthelferin besaß ein Pferd und wollte ein zusätzliches Tier zur Pflege annehmen. "Nicht um groß Geld zu verdienen, das lohnt sich doch gar nicht", sagt Frydrychowicz. Seine Mandantin habe Annoncen in Pferde-Fachzeitschriften aufgegeben, und sei von der Resonanz total überwältigt worden. "Leute haben ihre alten Pferde einfach bei ihr abgeladen. Da ist nur Schrott angekommen", sagt der Jurist. Als die Arbeitslose immer mehr alte und kranke Pferde angenommen habe, musste sie irgendwann reagieren. "Sie hat die Tiere an einen Händler weitergegeben", sagt Frydrychowicz. Was mit den Pferden passiert sei, wisse man nicht.

Die Besitzer der verschwundenen Pferde hatten schon früher Alarm geschlagen. WDR-de hatte im Januar 2005 ausführlich berichtet.

Der Tipp, Schutzverträge abzuschließen - vgl. Muster hier und hier zum Beispiel, nützt wenig bei Vertragspartnern, bei denen wohl nichts zu holen sein wird.

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